Um vier Uhr morgens klingelt der Wecker. Draußen ist es noch stockdunkel, Panama City schläft, nur wir sind wach – und ziemlich aufgeregt. In wenigen Stunden werden wir zum ersten Mal eine der San-Blas-Inseln betreten, und wir haben keine Ahnung, was uns erwartet. Genau das ist es, was diese Reise von jeder anderen Karibik-Erfahrung unterscheidet: Man kann sie sich vorher kaum vorstellen.
Die Anreise: Von der Hauptstadt in eine andere Welt
Kurz nach fünf Uhr steht unser Fahrer vor der Unterkunft. Die Rücksäcke werden aufs Autodach geschnallt, dann geht es los – erst durch die schlafende Stadt, vorbei an den letzten Ampeln, die um diese Uhrzeit nur noch gelb blinken.
Kurz vor Cartí hält unser Fahrer noch einmal an einem kleinen Supermarkt. Für uns die letzte Gelegenheit, Sonnencreme, Snacks oder Hygieneartikel nachzukaufen – danach gibt es tagelang keinen einzigen Laden mehr. Wer hier etwas vergisst, hat es schlicht nicht dabei. Wir nutzen die Chance lieber zweimal als einmal.
Ab in den Dschungel
Dann verlassen wir den Highway 1, und ab hier wird es ruppig. Die Straße schrumpft auf eine schmale, geschotterte Piste, die sich in engen Serpentinen durch den Dschungel schlängelt – tiefe Schlaglöcher, steile Anstiege, scharfe Kurven im Minutentakt. Der 4×4 wird ordentlich durchgeschüttelt, und wer zu Reiseübelkeit neigt, merkt das hier deutlich. Beruhigend ist nur: Die Fahrer kennen jede einzelne Kurve dieser Strecke auswendig und steuern den Wagen mit einer Selbstverständlichkeit durch das Geläuf, die uns schnell vertrauen lässt, obwohl es sich streckenweise wie eine Achterbahnfahrt anfühlt.
Nach knapp drei Stunden erreichen wir den Kontrollposten der Guna. Hier reiht sich morgens Fahrzeug an Fahrzeug – der Andrang ist zu dieser frühen Stunde so groß, dass wir eine ganze Weile im Stau stehen, bevor wir überhaupt an der Schranke sind. Als wir dann unseren Pass vorzeigen, fällt uns sofort auf: Die Guna-Wachen tragen Maschinengewehre. Kein bedrohliches Auftreten, eher gelassene Routine – aber ein Detail, das uns sehr deutlich macht, dass Guna Yala ein eigenständig verwaltetes Gebiet ist und keine gewöhnliche Touristenzone.
Abfahrt von Cartí
Kurz darauf erreichen wir den kleinen Hafen von Cartí – und der wirkt auf den ersten Blick völlig chaotisch. Zwischen 20 und 30 Geländewagen parken hier gleichzeitig, überall stehen Reisegruppen mit Gepäck, es gibt keine erkennbare Reihenfolge oder Beschilderung. „Wartet hier“, sagt unser Fahrer knapp, und das war’s dann erst einmal mit Informationen. Wir nutzen die Zeit für die Toilette und schauen kurz beim kleinen Kiosk vorbei. Dann, irgendwann, aus dem Nichts, taucht jemand auf, ruft unsere Namen und führt uns zielstrebig zu einem der Boote – wie er uns in diesem Gewusel gefunden hat, bleibt uns ein Rätsel.
Die Überfahrt selbst ist ein Erlebnis für sich: Die Speedboote der Guna schießen über das offene Wasser, und je nach Wellengang wird es ordentlich ruckelig – an manchen Tagen eine sanfte Gleitfahrt, an anderen ein Auf und Ab, bei dem man sich gut festhalten sollte. Schon auf der kurzen, aber intensiven Überfahrt ziehen unzählige winzige Eilande vorbei – manche kaum größer als ein Wohnzimmer, mit nicht mehr als drei Palmen darauf. Nach wenigen Minuten taucht unser Ziel für die nächsten Nächte auf: die Isla Diablo.

Ankunft auf der Isla Diablo
Als wir anlegen, werden wir bereits erwartet. Die Familie, die die Unterkunft betreibt, begrüßt uns herzlich – auf Spanisch, ein wenig Englisch, und den paar Brocken Guna, die wir uns vorher angeeignet haben. Die Isla Diablo selbst ist überschaubar: ein paar einfache Hütten aus Holz und Palmblättern, ein offener Essbereich, dazwischen Hängematten und schneeweißer Sand.
Vier Nächte bleiben wir hier – deutlich länger, als die meisten Besucher es tun, die oft schon nach ein oder zwei Nächten weiterziehen. Und genau das erweist sich als Glücksfall: Erst ab dem zweiten Tag beginnt man wirklich anzukommen, den Rhythmus der Insel zu spüren und die Ruhe voll auszukosten, die viele Kurzbesucher gar nicht erst zu fassen bekommen.
Unsere Hütte steht nur wenige Schritte vom Wasser entfernt – und ist wirklich rudimentär eingerichtet: eine Matratze mit Plastiküberzug (damit sie in der feuchten Luft nicht schimmelt), dazu ein Laken und ein Kissen. Mehr nicht. Ein Bett mit Moskitonetz, eine kleine Ablage – und genau das fühlt sich nach dem Verkehr und Lärm der Stadt wie Luxus an. Toiletten und Duschräume sind gemeinschaftlich für alle Gäste der Insel, der Generator läuft tagsüber durchgehend und wird gegen 22 Uhr abgeschaltet – danach heißt es: Taschenlampe an, Sterne gucken, schlafen. Wer das als Komfortverzicht sieht, ist hier falsch. Wer Ruhe sucht, ist genau richtig.

Das Leben zwischen den Mahlzeiten
Die Tage folgen schnell einem eigenen Rhythmus. Aufwachen mit der Sonne, Frühstück mit frischem Obst und Fladenbrot, danach: schwimmen, schnorcheln, in der Hängematte lesen, wieder schwimmen. Beim Mittag- und Abendessen gibt es meist die Wahl zwischen „Mariscos“ (Meeresfrüchte), „Pescado“ (Fisch), „Pollo“ (Hühnchen) und gelegentlich auch Rind, dazu wahlweise Reis, Kochkartoffeln oder Kochbananen als Beilage – ab und an sogar Pommes. Wer Glück hat, bekommt an manchen Tagen einen großen, frisch gefangenen Hummer oder Langustinos serviert. Bier, Cocktails und Limonade lassen sich direkt vor Ort dazukaufen – deutlich abwechslungsreicher, als wir nach den Warnungen im Voraus erwartet hatten.
Tagesausflüge
Tagsüber legen regelmäßig Ausflugsboote mit Tagestouristen an – dann ist auf der kleinen Insel durchaus etwas Trubel. Doch sobald sie am späten Nachmittag wieder abgeholt werden, kehrt schlagartig Ruhe ein. Genau diese Stunden zwischen Sonnenuntergang und dem nächsten Boot am Morgen sind es, die die Isla Diablo für uns so besonders gemacht haben: kein Motorenlärm mehr, nur Wellenrauschen und ein paar Stimmen am Lagerfeuer.
Schnorcheln vom Strand
Zum Schnorcheln muss man gar nicht erst mit dem Boot losfahren – direkt vom Strand aus geht es ins Wasser, und schon nach wenigen Metern zeigen sich die ersten Fische. Schwimmt man ein Stück weiter hinaus, sind die Korallen dort noch erstaunlich intakt – bunte Fischschwärme inklusive.
Zwischendurch kommen Guna-Frauen mit dem Boot vorbei und bieten Mola-Textilien zum Kauf an – handgenähte, farbenfrohe Stoffbilder, die traditionell Teil der Kleidung sind. Ein kurzes Gespräch, ein fairer Preis, und man hat ein echtes Souvenir, das nicht in jedem Touristenladen liegt.
Tagesausflug zur Isla Perro
An einem der Tage werden wir mit dem Boot zur Isla Perro gefahren – klein, mit wenigen Palmen, aber mit einer Besonderheit, die sie unter Tauchern und Schnorchlern bekannt gemacht hat: direkt vor der Insel liegt ein kleines Schiffswrack im flachen, glasklaren Wasser, komplett von Fischschwärmen umgeben. Schon vom Boot aus lässt sich die Silhouette unter der Wasseroberfläche erkennen.

Wir verbringen den Vormittag im Wasser rund um das Wrack, entdecken Papageienfische und kleine Rochen – und an einer Stelle ziehen plötzlich einzelne Barrakudas reglos im Wasser, nur wenige Meter von uns entfernt. Ein beeindruckender, leicht mulmiger Moment, der uns noch lange im Kopf bleibt. Bevor es zurück zur Isla Diablo geht, gibt es mittags frisch gegrillten Fisch direkt vom Lagerfeuer, dazu der Blick auf kilometerweit nichts als Wasser und Himmel.

Traditionelles Gericht auf den San Blas Inseln, Panama, mit frischem Fisch, Reis und Pommes.
Buchung: Was wir gelernt haben
San Blas lässt sich nicht über die üblichen Buchungsportale reservieren – die Guna organisieren Unterkunft, Transport und Verpflegung eigenständig. In Panama City bieten zahlreiche Hostels und Reisebüros Pakete an, die Fahrt, Bootstransfer, Übernachtung und Vollverpflegung bündeln. Mittlerweile gibt es auch über GetYourGuide bereits eine ganze Reihe an Anbietern für San-Blas-Touren – Tendenz steigend. Der Vorteil: bequeme Buchung im Voraus, feste Preise, klare Stornobedingungen.
Der Standard variiert dabei stark von Insel zu Insel: Manche Unterkünfte bieten Süßwasserduschen und abwechslungsreiches Essen, andere deutlich einfachere Verhältnisse. Es lohnt sich, vor der Buchung gezielt nach Erfahrungsberichten zu der jeweiligen Insel zu fragen, statt das günstigste Angebot blind zu buchen.
Unsere Erfahrung
Unseren eigenen Trip haben wir über einen Bekannten vor Ort organisiert – und der Preisunterschied war spürbar. Die günstigsten Preise findet man erfahrungsgemäß nach wie vor direkt vor Ort, wenn man einen lokalen Kontakt hat oder sich einfach auskennt. Ein guter Ansatzpunkt, um an solche Kontakte zu kommen: gezielt auf Instagram nach lokalen Veranstaltern und Bootsfahrern für San Blas suchen – viele davon sind dort aktiv und antworten direkt per Direktnachricht. Wer lieber bequem, mit fester Preissicherheit und ohne Verhandeln vorab bucht, ist am besten beraten: Hier findest du geprüfte San-Blas-Touren auf GetYourGuide – Übernachtung, Transport und Verpflegung meist im Paket, sofort buchbar. Wer keine Lust auf lange Recherche hat: Schreibt uns einfach an, wir können ein paar zuverlässige Kontakte empfehlen.
Für vier Nächte inklusive Vollverpflegung, Bootstransfers und Ausflügen sollte man aktuell mit einem Budget in der Größenordnung eines mittleren dreistelligen Dollarbetrags pro Person rechnen – je nach Insel, Saison und Kontakt kann das variieren.
Unsere Packliste für die Insel
Fazit
Isla Diablo und Isla Perro liegen nur eine kurze Bootsfahrt voneinander entfernt und zeigen doch zwei unterschiedliche Seiten von San Blas: hier das ruhige Insel-Leben mit Hängematte und Lagerfeuer, dort das Schnorcheln am Wrack in glasklarem Wasser. Kein Zimmerservice, kein WLAN, keine Klimaanlage – genau das macht die Erfahrung so besonders. Wer bereit ist, für ein paar Tage auf Komfort zu verzichten, bekommt dafür eine der letzten wirklich unberührten Ecken der Karibik – und einen echten Einblick in die Lebensweise der Guna, die es so an kaum einem anderen Ort der Welt gibt.
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